Leseprobe "Amerika"

Buch 3 - Leseprobe Amerika

...Vor dem Fahrzeug hatte er sich den Tisch gedeckt und begann genüsslich zu frühstücken. Heute Morgen gab es gebratenen Schinken mit Rührei und Toast, nach amerikanischer Art in der Pfanne zubereitet. Das Frühstück schmeckte vorzüglich und einige Vögel sangen nette Lieder. Ungestört genoss Herr Bombelmann diese herrliche Natur. So hatte er sich seinen Urlaub vorgestellt! Plötzlich knackte es in den Büschen neben der Straße. Langsam drehte er sich um und sah zu seiner Überraschung einen Mann und eine Frau, die in sehr schmutziger und teilweise zerrissener Kleidung aus dem Unterholz krochen. Ihre Haare waren total zerzaust. Der Mann hatte sich wohl seit Tagen nicht rasiert und einen Stoppelbart im Gesicht. Außerdem, das fiel sofort auf, rochen die Beiden nicht sehr angenehm. Bestimmt hatten sie schon lange kein Bad mehr genommen.Sie gingen auf Herrn Bombelmann zu und fragten sehr höflich: „Entschuldigen Sie, junger Mann, wir sind hier im Urlaub und unser Auto ist uns abhanden gekommen. Wir waren auf einem Tagesausflug unterwegs und gingen im Wald spazieren. Als wir zurückkamen, war unser Auto weg. Es lagen nur noch die Türen dort! Könnten Sie uns bitte ein Stück mitnehmen?“Ärmlich und verrupft standen sie vor Herrn Bombelmann, der ein sehr guter Mensch war und half, wo er nur konnte. Er fragte: „Wenn sie im Wald spazieren waren, haben sie sich dann vorher erst noch gestärkt und etwas gegessen?“Die Frau sagte sehr unfreundlich: „Natürlich haben wir das! Das machen wir vor jedem Ausflug! Was ist denn das für eine komische Frage? Uns wird das Auto gestohlen und sie fragen, ob wir etwas gegessen haben, bevor wir zu unserem Ausflug aufgebrochen sind! Das ist elf Tage her! Mittlerweile haben wir schon wieder Hunger bekommen, auch wenn sie das vielleicht nicht glauben! Ob wir etwas gegessen haben vor dem Ausflug! Hast du das gehört, Fritz?“Der Mann hob beruhigend die Hand und schüttelte den Kopf: „Luise, der Mann hat bestimmt einen Grund für seine Frage! Und falls er uns nichts abgeben möchte, dann ist das auch nicht schlimm!“Sie antwortete: „Was, auch nicht schlimm?! Ich bin fast am Verhungern! Das gibt es doch gar nicht! Fritz, so tu doch was!“Herr Bombelmann lächelte: „Meine Dame, mein Herr, bitte! Beruhigen Sie sich. Es geht mir nicht darum, dass Sie von mir nichts zu essen oder zu trinken bekommen sollen! Ich habe genug dabei für uns drei! Und wenn es alle ist, dann suche ich mir in der Natur neue Nahrung, sie ist voll davon!“Die Frau ergriff wieder das Wort: „Was Sie uns erzählen wollen! Von wegen die Natur ist voll von Nahrung! Wir waren nun elf Tage unterwegs! Glauben Sie, wir hätten irgendwo ein Steak, ein Schnitzel oder eine Bratwurst mit Pommes Frites gefunden? Noch nicht einmal eine Hühnersuppe hing an einem Baum oder Strauch! Fritz, nun sag doch auch etwas und steh nicht nur so rum!“Herr Bombelmann stand auf, holte zwei Stühle und Teller und bat die Neuankömmlinge sich zu setzen. Er bediente sie mit seinem leckeren Frühstück und füllte die Teller voll. In die Becher schenkte er den guten Orangensaft ein, den es nur im Tante Emma Laden von Frau Lieblich in Poppelsdorf gab. Selbst gemacht, nach altem Hausrezept. Die Frau setzte sich: „Sagen Sie, guter Mann, haben Sie denn zu diesem Rührei keinen Kaffee? Zu einem guten Frühstück gehört ein frischer Kaffee! Sollen wir jetzt etwa Orangensaft dazu trinken? Fritz, nun sag doch auch endlich was!“Doch Fritz hatte den Mund voll und stopfte sich unter der Nase ins Gesicht, was er kriegen konnte. Herr Bombelmann tat so, als hätte er die Worte nicht gehört und begann ruhig zu sprechen: „Wenn Sie vor Ihrem Ausflug noch etwas gegessen haben - haben Sie das aufgegessen oder haben Sie im Auto noch Reste zurück gelassen?“Wieder antwortete die Frau: „Natürlich haben wir nicht alles aufgegessen! Dann wären wir ja geplatzt! Wir essen vor dem Ausflug und danach! Aber danach war nicht möglich, weil das Auto weg war! Und unser Essen auch! Stimmt doch, Fritz?“

Der nickte nur und kaute weiter...

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