Leseprobe "Herr Bombelmann und der Ide-Adde-Ude"

Buch 1 - Leseprobe Ide-Adde-Ude;

In Schottland sollte - so sagten es die Bewohner - in einem großen und tiefen See, der Loch Ness hieß, ein altes Ungeheuer wohnen: das Ungeheuer von Loch Ness - oder Nessie, wie die Schotten es nannten. Einige Leute hatten es angeblich schon gesehen - und einer behauptete sogar, es schon an der Angel gehabt zu haben. Wie groß es war, konnte niemand so genau sagen. Aber es war sehr groß. Schließlich handelte es sich um ein Ungeheuer. Sein Hals musste bestimmt so dick sein wie ein Baum - und genauso lang. Am einen Ende des Halses war der Kopf, der ungefähr die Größe eines Autos hatte. Was am anderen Ende war, hatte noch keiner der Leute, die behaupteten Nessie gesehen zu haben, berichtet - denn das war ja immer im Wasser. Bei Seeungeheuern ist das nunmal so.

Herr Bombelmann dachte sich, er müsse unbedingt an Loch Ness Station machen. Bei einer Reise durch Schottland war das schließlich fast Pflicht. Mit seinem alten, aber schönen und immer sauberen Auto fuhr er vorschriftsmäßig auf der linken Straßenseite durch verschiedene Ortschaften und Dörfer, bis er endlich das Wasser sehen konnte. Umschlossen von hohen Bergen, als müsse es vor dem Auslaufen und Wegfließen geschützt werden, lag es ruhig und friedlich vor ihm. Schon beim ersten Anblick stieg in Herrn Bombelmann eine gewisse Spannung auf, die er sich nicht erklären konnte ...

... Auch heute lag das Wasser ruhig vor ihm. Ein Auftauchen des Ungeheuers würde bestimmt sofort auffallen - aber er bemerkte nichts Ungewöhnliches. So legte er das Fernglas zur Seite, öffnete die Brotbüchse und nahm sich eine Scheibe Käsebrot heraus. Während er diese in Ruhe und mit Genuss aß, glaubte er aus seinen Augenwinkeln eine Bewegung neben sich wahrgenommen zu haben. Herr Bombelmann drehte sich zur offenen Brotbüchse um und sah ein Geschöpf, das ihm völlig unbekannt war! Es war etwa zwanzig Zentimeter groß, hatte runde Kulleraugen, eine breite, platte Nase und einen Riesenmund. Auf dem Kopf wiegten vier stehende Haare mit Borstenbüscheln hin und her. Sie sahen aus wie Antennen. Unter seinem Hals begann der schmale Körper, in dessen Mitte ein kleiner Kugelbauch angedeutet war. Am Ende der Arme hingen dünne Finger, die im Vergleich zum Körper recht lang waren. Wo die Beine die Erde berührten, versteckten kleine Lederschuhe die Füße. Das Geschöpf war bis auf eine kurze Hose und die Schuhe unbekleidet. Als Herr Bombelmann das kleine Etwas erblickte, steckte es sich gerade eine ganze Scheibe Brot in den breiten, großen Mund. Es erschrak und rief: "Ide-Adde-Ude, dadidadada, wiedwied!" Sofort drehte es sich um und verschwand.

Herr Bombelmann war aus verschiedenen Gründen verdutzt. Erstens, weil er noch nie ein solches Ding gesehen hatte, zweitens, weil dieses kleine Etwas eine ganze Scheibe Brot auf einmal in den Mund stecken konnte und drittens, weil es trotz des vollen Mundes noch deutlich sprach und dabei keine Krümel ausspuckte. Er konnte das nicht. Noch nicht einmal, wenn er viel weniger im Mund hatte ...

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