Leseprobe "Nächtlicher Besucher"

Buch 1 - Leseprobe Nächtlicher Besuch

...Oh Schreck! Dort stand ein Skelett und klapperte vor sich hin. Noch nie zuvor hatte Herr Bombelmann ein echtes Skelett gesehen. Irgendwie war ihm mulmig zumute. Ein Skelett in seinem eigenen Garten! Er wusste nicht, was er machen sollte. Am liebsten wäre er schnell wieder im Zimmer verschwunden. Aber sicherlich hatte es ihn schon bemerkt, denn er leuchtete mit seiner Lampe. Wenn er sich jetzt verstecken würde, hielt ihn das Skelett bestimmt für einen Feigling. Doch ein Feigling wollte er nicht sein!

Also entschloss er sich, so zu tun als sei die Situation völlig normal. Er öffnete das Fenster und sagte leise: "Hey, warum klapperst du so hier rum? Es ist mitten in der Nacht, die Leute wollen schlafen!" Das Skelett drehte sich um und antwortete mit zittriger Stimme: "Im Herbst ist es immer so kalt! Da friere ich bis auf die Knochen. Und wenn ich friere, dann zittere ich. Das klappert nunmal."

Was sollte Herr Bombelmann jetzt tun? Sollte er das Skelett draußen in der Kälte stehen lassen? Er entschloss sich, ihm das wärmende Wohnzimmer anzubieten: "Wenn du Lust hast, so komme herein. Bei mir ist es gemütlich warm. Hier frierst du bestimmt nicht mehr!"

Das ließ sich das Knochenklappergerüst kein zweites Mal sagen. Es ging um das Haus herum und trat zur Tür, die Herr Bombelmann mittlerweile geöffnet hatte, herein. Das Skelett war etwas größer als er, dafür aber auch schmaler. Sie gingen zusammen ins Wohnzimmer, wo das Skelett im Schaukelstuhl Platz nehmen durfte. Herr Bombelmann ging in die Küche und setzte Wasser auf. Ein heißer Tee, so dachte er, wäre wohl genau das Richtige, wenn man durchgefroren war. Er goss eine Tasse Pfefferminztee auf und ging zurück zu seinem Gast. Dieser stand auf, weil er es so gelernt hatte, und nahm die Tasse dankbar an. Kaum hatte das Skelett jedoch die Tasse an seine Zähne geführt und leicht gekippt, lief der Tee auf die sauberen Fliesen des Wohnzimmers. Herr Bombelmann fand, das könne daran liegen, dass sein Besucher nicht ganz dicht war. Zwischen den Knochen war schließlich nichts außer Luft. Dort lief das, was oben hineingegossen wurde, sofort wieder hinaus. Diese Art der Aufwärmung war nicht die richtige für das Skelett. Eine Badewanne wäre möglicherweise nicht schlecht gewesen...

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