Leseprobe "Neandertal"

Buch 1 - Leseprobe Nächtlicher Besuch

Auf dem Festplatz waren bestimmt 300 Menschen versammelt, die mit unterschiedlichsten Dingen beschäftigt waren. Ein Mann, der ein riesiges, trichterförmig zusammengerolltes Blatt vor seinen Mund hielt, rief: „Der erste von drei Wettkämpfen kann beginnen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Steinkeulenzielweitwurfs treffen sich bitte an der Startmarke mit dem Steinhaufen.“ Er war wohl der Spielleiter.

Eine Linie, die direkt bei diesem Steinhaufen in den Boden gekratzt war, sollte wahrscheinlich die Startlinie sein. Diese sah sich Herr Bombelmann genau an. Von hier aus musste bestimmt geworfen werden. Einige Meter entfernt waren Steine aufeinandergestapelt. Unten lag der größte, dann der zweitgrößte und so weiter. Oben lag der kleinste Stein.

Der Spielleiter kam herüber: „Und hier die Regeln – für alle, die diese noch nicht kennen: Geworfen wird mit der gemeinen Steinkeule von dieser Linie“, damit deutete er auf den Boden, „getroffen werden soll der Steinhaufen dort vorne. Alle, die das geschafft haben, treten zum zweiten Durchgang an. Dabei geht es darum, die oberen zwei Steine herunterzuwerfen. Sollten dies mehrere Werfer geschafft haben, so geht es im dritten Durchgang darum, nur den oberen Stein vom Stapel zu werfen. Fällt auch der zweite Stein, so gilt der Wurf als nicht gelungen. Haben mehrere Werfer den richtigen Wurf gelandet, wird so lange geworfen, bis der Sieger feststeht!“ Der Sprecher drehte sich zum ersten Werfer um: „Wie ist dein Name?“ – „Rolf.“ – „Rolf ist der erste Werfer bei unserem Wettkampf.“

Rolf ging in Position. Er hielt die Steinkeule in der rechten Hand und schwang damit nach vorne und hinten. Nun beschrieb er einen Kreis, der seitlich am Körper von unten nach oben vorbei führte, wurde schneller in seiner Bewegung und schon schoss die Steinkeule los. Sie krachte mitten ins Ziel. Die Menge klatschte und jubelte. Von sieben Startern an der Linie – drei Männern und vier Frauen - hatten alle getroffen. Der Spielleiter sagte durch seinen Blatttrichter: „Und nun kommt der letzte Starter.“ Er drehte sich zu Herrn Bombelmann um: „Wie ist dein Name?“ – „Bombelmann, aber ich wollte nicht…“ – „Bombelmann ist der letzte Werfer im ersten Durchgang.“ Schließlich stand er auch an der Linie, denn er hatte dort ja geschaut.

Während Herr Bombelmann nun versuchte, so wie die anderen Männer und Frauen die Steinkeule zu schwingen, hatte er das Gefühl, selbst gleich abheben zu müssen. Eine Zuschauerin sagte zur anderen: „Ach schau nur wie süß der ist. So schön klein. Hm, so ein schnuckeliger Bauch. Und was der mit seinen Haaren gemacht hat.“ – Die andere Frau entgegnete: „Oh ja, richtig süß. Und dieser Haarschmuck. Einfach prachtvoll.“ Sie glaubten, der Hut von Herrn Bombelmann sei eine kunstvoll kreierte Haarfrisur und die Bommel ein Haarschmuck.

Herr Bombelmann ließ die Steinkeule los – aber irgendwie hatte er noch nicht genug Schwung geholt. Sie landete etwa zwei Meter vor ihm auf der Erde. Na ja, wenigstens die Richtung hatte einigermaßen gestimmt. Ein Tuscheln und Nuscheln ging durch die Zuschauer, die beiden Frauen zeigten Verständnis: „Bestimmt ist er nur abgerutscht und hatte schweißige Hände. Das kann ja mal passieren. Schade, jetzt ist er ausgeschieden. Och ist der süß!“

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